Frauengesundheit
Zyklus, Eisenmangel, Perimenopause: Jahrzehntelang zu wenig erforscht, heute voll mit teurem Social-Media-Hype.
Kapitel 1:Die größten Hebel
1. Krafttraining, besonders ab den Wechseljahren
Schützt Muskeln und Knochen, wenn der Östrogenabfall den Abbau beschleunigt.
Substanz2. Ferritin testen bei Müdigkeit oder starker Blutung
Eisenmangel ist häufig und gut behandelbar, aber nur, wenn man ihn kennt.
Substanz3. Folsäure bei Kinderwunsch →
Senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte. Start vor der Schwangerschaft, nicht erst ab dem Test.
Substanz4. Eisen →
Nur bei nachgewiesenem Mangel. Auf Verdacht ohne Nutzen, dafür mit Magenproblemen und Risiko einer Überladung.
Kommt drauf an5. Vitamin D →
Wichtig für die Knochen, als Supplement vor allem bei Mangel.
Kommt drauf an6. Hormontherapie in den Wechseljahren
Laut Leitlinie das wirksamste Mittel gegen Hitzewallungen. Nutzen und Risiken hängen von Alter und Vorerkrankungen ab und gehören ins ärztliche Gespräch.
Kommt drauf an
Kapitel 2:Longevity-Zusammenhang
Mit den Wechseljahren verändern sich Hormone, Knochen und das Herz-Kreislauf-Risiko. Die Jahre ab der Lebensmitte sind deshalb für ein langes, gesundes Leben von Frauen besonders wichtig.
Meta-Analyse von 32 Beobachtungsstudien: Eine Menopause vor 45 ging mit mehr koronarer Herzkrankheit und einer etwas höheren Sterblichkeit einher.
Muka 2016 →SWAN-Kohorte: Am schnellsten ging Knochendichte zwischen einem Jahr vor und zwei Jahren nach der letzten Regelblutung verloren. In einem RCT erhöhte angeleitetes schweres Krafttraining die Knochendichte bei Frauen mit niedriger Knochenmasse nach den Wechseljahren.
Greendale 2012 →Watson 2018 →Cochrane-Review von 19 RCTs: Zur Herzvorbeugung bringt Hormontherapie insgesamt kaum Nutzen und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Thrombosen. Bei Beginn innerhalb von 10 Jahren nach der Menopause waren Sterblichkeit und Herzerkrankungen in einer Teilanalyse niedriger, ein Hinweis, kein Beleg.
Boardman 2015 →Auswertungen der Mammographie-RCTs: Bei eingeladenen Frauen gab es weniger Brustkrebstodesfälle, aber auch Überdiagnosen. Wie groß der Nutzen ist, wird unterschiedlich eingeschätzt.
Independent 2012 →Gøtzsche 2013 →
Kapitel 3:Grundlagen & Zahlen
- durchschnittliche Zykluslänge, als normal gelten etwa 24–38 Tage
- ~28 Tage
- Folsäure täglich bei Kinderwunsch, ab mindestens 4 Wochen vor der Empfängnis bis Ende der 12. Schwangerschaftswoche
- 400 µg
- Jahre ist das Durchschnittsalter bei der letzten Regelblutung
- ~51
- ohne Blutung, dann spricht man rückblickend von der Menopause
- 12 Monate
- 01
Der Zyklus als Hormon-Staffel
In der ersten Hälfte steigt Östrogen und lässt ein Ei reifen. Nach dem Eisprung übernimmt Progesteron und bereitet die Gebärmutter vor. Ohne Schwangerschaft fallen beide ab, die Blutung beginnt.
- 02
Blutung kostet Eisen
Mit jeder Periode geht Eisen verloren. Deshalb brauchen menstruierende Frauen mehr Eisen als Männer, und ein Mangel ist häufig, besonders bei starker Blutung.
- 03
Folat vor der Schwangerschaft
Das Neuralrohr des Babys schließt sich in den ersten Wochen, oft bevor die Schwangerschaft bemerkt wird. Deshalb wird Folsäure schon bei Kinderwunsch empfohlen.
- 04
Wechseljahre: Östrogen sinkt
Die Eierstöcke fahren die Hormonproduktion über Jahre herunter. Der Östrogenabfall kann Hitzewallungen und Schlafprobleme bringen und beschleunigt den Knochenabbau.
Kapitel 4:Probleme
Kapitel 5:Wirkstoffe
Kapitel 6:Routinen
Krafttraining →
2–3× pro Woche alle großen Muskelgruppen, je 2–3 Sätze nahe an die Erschöpfung.
SubstanzBalance-Training →
3× pro Woche 10–20 Minuten, z. B. Einbeinstand, Tandemstand, Tai Chi, ab dem mittleren Alter einbauen.
SubstanzYoga →
2–3× pro Woche 30–60 Minuten, anfangs in einem Kurs mit Anleitung.
Kommt drauf anAusreichend Protein →
Erwachsene etwa 0,8 g pro kg Körpergewicht, ab 65 etwa 1,0–1,2 g, bei Krafttraining bis etwa 1,6 g, verteilt auf die Mahlzeiten.
SubstanzKörperzusammensetzung messen →
DEXA etwa ein- bis zweimal pro Jahr, Körperfettwaage nur für Trends unter gleichen Bedingungen.
Kommt drauf anBlutdruck selbst messen →
Mit einem validierten Oberarmgerät: einige Tage lang morgens und abends je zwei Messungen nach 5 Minuten Ruhe, danach regelmäßig kontrollieren.
SubstanzGriffkraft testen →
Mit einem Handdynamometer stehend, Arm locker, je Hand 2–3 Versuche, ein- bis zweimal pro Jahr.
Kommt drauf anBlutwerte checken lassen →
Im Rahmen des Check-ups Blutfette und Blutzucker, einmal im Leben Lp(a), weitere Werte gezielt nach Anlass.
SubstanzTaillenumfang messen →
Morgens im Stehen, auf Höhe zwischen Rippenbogen und Beckenkamm, ausgeatmet, etwa einmal im Monat.
SubstanzVorsorgeuntersuchungen →
Check-up ab 35 alle 3 Jahre, Darmkrebs-Früherkennung ab 50 per Stuhltest alle 2 Jahre oder Darmspiegelung, Mammographie für Frauen von 50 bis 75 alle 2 Jahre, Hautkrebs-Screening ab 35 alle 2 Jahre, Gebärmutterhals-Früherkennung ab 20, weitere nach Plan der Krankenkasse.
SubstanzImpfungen auffrischen →
Einmal den Impfpass prüfen lassen: Tetanus und Diphtherie alle 10 Jahre, einmal als Erwachsener auch Keuchhusten, ab 60 Gürtelrose in zwei Dosen, einmal Pneumokokken und jährlich Grippe, ab 75 einmal RSV, dazu weitere nach STIKO.
SubstanzVibrationsplatte →
In Studien meist mehrmals pro Woche einige Minuten Stehen oder leichte Übungen wie Kniebeugen auf der vibrierenden Platte.
Unklar
Kapitel 7:Neue Studien
- Substanz
Blutdrucksenkung und Herz-Kreislauf
Jede Senkung des oberen Blutdruckwerts um 10 mmHg verringerte schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse um etwa ein Fünftel.
Meta-Analyse · 613.815 Teilnehmende
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Blutdruck selbst messen: Wirkung
Selbstmessen allein senkte den Blutdruck nicht. Zusammen mit Begleitung, etwa Anpassung der Medikamente, sank er deutlich.
Meta-Analyse · 7.138 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Selbstmessung für die Medikamentenanpassung
Wenn Hausärzte Medikamente nach selbst gemessenen Werten anpassten, war der Blutdruck nach einem Jahr niedriger als bei Anpassung nach Praxiswerten.
RCT · 1.182 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Weißkittel- und maskierter Bluthochdruck
Maskierter Bluthochdruck, der nur außerhalb der Praxis auffällt, verdoppelte etwa das Herz-Kreislauf-Risiko. Weißkittel-Bluthochdruck erhöhte es nicht deutlich.
Meta-Analyse · 11.502 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Heimblutdruck verfeinert das Risiko
Zu Hause gemessener Blutdruck zeigte auch bei unauffälligen Praxiswerten ein erhöhtes Risiko an.
Meta-Analyse · 5.008 Teilnehmende
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Eisen bei Müdigkeit und niedrigem Ferritin
Bei müden Frauen mit niedrigem Ferritin, aber ohne Blutarmut, sank die Müdigkeit mit Eisen stärker als mit Placebo.
RCT · 198 Teilnehmende
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Eisen bei Eisenmangel ohne Blutarmut
Eisen senkte bei Eisenmangel die empfundene Müdigkeit leicht, die körperliche Leistung stieg nicht.
Meta-Analyse · 1.170 Teilnehmende
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Eisen und geistige Leistung
Eisen verbesserte Aufmerksamkeit und Konzentration, den IQ nur bei Blutarmut.
Meta-Analyse
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Eisen ohne Blutarmut: Psyche und Denken
Bei Eisenmangel ohne Blutarmut besserten sich Angst, Müdigkeit und Gedächtnis, ohne Mangel nicht.
Meta-Analyse · 1.408 Teilnehmende
· 26. Okt. - Unklar
Eisenmangel und Haarausfall bei Frauen
Frauen mit Haarausfall haben im Schnitt niedrigere Ferritinwerte, ob Eisen hilft, ist damit nicht gezeigt.
Meta-Analyse · 10.029 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Nebenwirkungen von Eisentabletten
Eisensulfat erhöht das Risiko für Magen-Darm-Beschwerden deutlich, etwa auf das Doppelte.
Meta-Analyse · 6.831 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Folsäure gegen Neuralrohrdefekte
Folsäure rund um die Empfängnis senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte um etwa zwei Drittel.
Meta-Analyse · 7.391 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Die MRC-Vitaminstudie zu Folsäure
Bei Frauen mit früher betroffener Schwangerschaft verhinderte Folsäure 72 Prozent der erneuten Neuralrohrdefekte.
RCT · 1.817 Teilnehmende
· 26. Okt. - Hype
Folsäure, Homocystein und Herz
Folsäure senkte Homocystein um ein Viertel, Herzinfarkte und Schlaganfälle aber nicht.
Meta-Analyse · 37.485 Teilnehmende
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Folsäure und Schlaganfall bei Bluthochdruck
Bei Bluthochdruck in China senkte Folsäure zusätzlich zum Blutdrucksenker das Schlaganfallrisiko leicht.
RCT · 20.702 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Frühe Wechseljahre und Herzrisiko
Frauen mit Wechseljahren vor 45 hatten mehr koronare Herzkrankheit und eine etwas höhere Sterblichkeit als Frauen mit späterer Menopause.
Meta-Analyse · 310.329 Teilnehmende
· 26. Okt. - Kommt drauf an
Hormontherapie nach den Wechseljahren und Herz
Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bringt eine Hormontherapie insgesamt kaum Nutzen und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Thrombosen. Wie es ausfällt, hängt vom Zeitpunkt des Beginns ab.
Meta-Analyse · 40.410 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Knochenverlust rund um die Menopause
Am schnellsten verloren Frauen Knochendichte im Zeitraum von einem Jahr vor bis zwei Jahre nach der letzten Regelblutung.
Kohorte · 862 Teilnehmende
· 26. Okt. - Substanz
Spiegelung und Stuhltest gegen Darmkrebs
Sowohl die Spiegelung des unteren Darms als auch Stuhltests auf verstecktes Blut senken das Risiko, an Darmkrebs zu sterben.
Meta-Analyse · 744.386 Teilnehmende
· 19. Okt. - Kommt drauf an
Darmspiegelung zur Früherkennung
Wer zur Darmspiegelung eingeladen wurde, bekam nach 10 Jahren 18 % seltener Darmkrebs. Ein gesicherter Effekt auf die Darmkrebs-Todesfälle zeigte sich noch nicht.
RCT · 84.585 Teilnehmende
· 19. Okt. - Substanz
Stuhltest auf Blut über 30 Jahre
Regelmäßige Stuhltests auf verstecktes Blut senkten die Zahl der Darmkrebs-Todesfälle, und der Effekt hielt 30 Jahre an.
RCT · 46.551 Teilnehmende
· 19. Okt. - Kommt drauf an
Nutzen und Schaden der Mammographie
Bei zur Mammographie eingeladenen Frauen sank die Brustkrebs-Sterblichkeit um etwa 20 %. Auf jeden verhinderten Todesfall kommen aber etwa drei Überdiagnosen.
Meta-Analyse
· 18. Okt. - Kommt drauf an
Mammographie im Cochrane-Review
Die Cochrane-Autoren schätzen den Nutzen der Mammographie kleiner ein und die Überdiagnosen höher als andere Auswertungen.
Meta-Analyse · 600.000 Teilnehmende
· 18. Okt. - Hype
Allgemeine Gesundheits-Checks
Allgemeine Gesundheits-Checks bei Gesunden senkten in randomisierten Studien weder die Sterblichkeit noch Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
Meta-Analyse · 251.891 Teilnehmende
· 17. Okt. - Hype
Check-up mit Lebensstilberatung
Ein dänisches Programm aus Risiko-Check und wiederholter Lebensstilberatung senkte nach 10 Jahren weder Herzkrankheiten noch Schlaganfälle oder Todesfälle.
RCT · 59.616 Teilnehmende
· 17. Okt.
Kapitel 8:Mythen & Begriffe
MythosFolsäure braucht man erst ab dem positiven Test.
FaktDann ist es oft zu spät. Das Neuralrohr schließt sich in den ersten Wochen, deshalb mindestens 4 Wochen vorher starten.
MythosStarke Regelschmerzen sind normal.
FaktLeichte Schmerzen sind häufig. Schmerzen, die den Alltag lahmlegen, können etwa auf Endometriose hinweisen und gehören abgeklärt.
MythosDie Wechseljahre beginnen mit 50 und sind schnell vorbei.
FaktDer Übergang beginnt oft schon Anfang bis Mitte 40 und dauert mehrere Jahre. Hitzewallungen halten in einer großen Studie im Schnitt gut 7 Jahre an, oft auch nach der letzten Blutung.
Begriffe
- Östrogen
- Wichtigstes weibliches Geschlechtshormon. Wirkt auch auf Knochen, Gefäße und Haut.
- Progesteron
- Gelbkörperhormon. Bereitet nach dem Eisprung die Gebärmutter auf eine Schwangerschaft vor.
- Ferritin
- Speicherform von Eisen. Der Blutwert zeigt, wie voll die Eisenspeicher sind.
- Perimenopause
- Die Übergangsjahre vor der letzten Regelblutung bis ein Jahr danach.
Orientierung, keine medizinische Beratung.
