Magnesium

Magnesiumglycinat, -citrat, -oxid

Wird auf TikTok wie ein Beruhigungsmittel verkauft. Tatsächlich füllt es nur leere Speicher auf – bei vollem Tank schläfst du damit keine Minute länger.

Studiendosis
200–400 mg pro Tag
Gut verträglich
Glycinat, Citrat
Obergrenze aus Supplements
250 mg pro Tag (EFSA)
EU-Status
Als Lebensmittel zugelassen

Kapitel 1:Wirkung & Studienlage

Kapitel 2:Was passiert im Körper?

Magnesium ist ein Mineralstoff, den der Körper nicht selbst herstellen kann. Ein Erwachsener trägt rund 25 g davon in sich, gut die Hälfte in den Knochen, der Rest steckt vor allem in Muskeln und Organen. Nur etwa 1 % schwimmt im Blut.

  1. 01

    Helfer für über 300 Enzyme

    Magnesium ist Kofaktor für mehr als 300 Enzyme. Ohne Magnesium laufen Energiestoffwechsel, Eiweißaufbau und DNA-Synthese nicht rund.

  2. 02

    ATP braucht einen Partner

    Die Energiewährung ATP liegt in der Zelle fast immer als Magnesium-ATP vor. Erst so können viele Enzyme sie nutzen.

  3. 03

    Gegenspieler von Calcium

    Calcium lässt Muskeln anspannen, Magnesium hilft ihnen, wieder loszulassen. In Nerven dämpft es zusätzlich bestimmte erregende Signale.

  4. 04

    Niere und Darm regeln den Spiegel

    Der Körper hält den Blutspiegel eng konstant und holt bei Bedarf Magnesium aus den Knochen. Deshalb verrät ein normaler Blutwert wenig über die Speicher.

Kapitel 3:Einnahme & Formen

  • Abends einnehmen, wenn es um Schlaf geht.
  • Über 250 mg am Tag aus Supplements können Durchfall auslösen. Das BfR empfiehlt, diese Menge auf zwei oder mehr Portionen zu verteilen.
  • Zwei Magnesium-Produkte im Stack sind ein häufiger Doppelpack.

Formen im Vergleich

  • Citrat

    Gut löslich, gut aufgenommen und gut untersucht. In höheren Mengen leicht abführend.

  • Glycinat (Bisglycinat)

    Gilt als magenfreundlich. Weniger Studien als Citrat, ein Schlafvorteil ist nicht belegt.

  • Oxid

    Viel Magnesium pro Tablette und billig. Wird schlechter aufgenommen und wirkt eher abführend.

  • L-Threonat

    Als besonders gehirngängig beworben. Die Daten stammen vor allem aus Tierversuchen und wenigen kleinen Studien.

In Lebensmitteln

QuelleMenge
Kürbiskerne (30 g)ca. 150 mg
Mandeln (30 g)ca. 80 mg
Haferflocken (50 g)ca. 65 mg
Spinat, gegart (100 g)ca. 80 mg
Mineralwasser (1 l)ca. 10–100 mg, je nach Quelle

Kapitel 4:Für wen & Risiken

Sinnvoll für

  • Menschen, die selten Vollkorn, Nüsse und Hülsenfrüchte essen
  • Wer dauerhaft Säureblocker (Protonenpumpenhemmer) oder bestimmte Entwässerungsmittel nimmt, nach ärztlicher Rücksprache
  • Menschen mit hohem Alkoholkonsum, weil die Niere dann mehr Magnesium ausscheidet

Eher nicht für

  • Wer sich abwechslungsreich ernährt und ein Schlafmittel erwartet
  • Menschen mit Nierenerkrankungen ohne ärztliche Rücksprache: Überschuss kann sich dann anreichern
  • Magnesiumoxid ist billig, aber schlechter verträglich.
  • Bei Nierenerkrankungen nur nach Rücksprache.
  • Mehrere Stunden Abstand zu manchen Antibiotika, Osteoporose-Mitteln (Bisphosphonaten) und Schilddrüsenhormonen.
  • Bestimmte Antibiotika (Tetrazykline, Fluorchinolone wie Ciprofloxacin) binden an Magnesium und wirken dann schwächer. Mehrere Stunden Abstand halten, Details stehen im Beipackzettel.
  • Osteoporose-Mittel aus der Gruppe der Bisphosphonate und Schilddrüsenhormone werden ebenfalls schlechter aufgenommen. Auch hier zeitlich getrennt einnehmen.
  • Säureblocker und manche Entwässerungsmittel können den Magnesiumspiegel über die Zeit senken.
Rechtsstatus EU: Erlaubt. Zugelassene EU-Aussagen etwa zu Muskelfunktion und Verringerung von Müdigkeit, nicht aber zum Schlaf.

Kapitel 5:Mythen & Begriffe

  • MythosMagnesium hilft gegen jeden Wadenkrampf.

    FaktBei nächtlichen Wadenkrämpfen älterer Menschen zeigen Übersichtsarbeiten kaum einen Effekt. Krämpfe haben viele Ursachen, Magnesiummangel ist nur eine davon.

  • MythosEin normaler Blutwert heißt: alles gut versorgt.

    FaktNicht unbedingt. Im Blut steckt nur ein Bruchteil des Magnesiums, und der Körper hält diesen Wert stabil, solange es geht.

  • MythosViel hilft viel.

    FaktBei großen Einzeldosen nimmt der Darm anteilig weniger auf, der Rest kann abführend wirken. Wegen solcher Durchfälle setzt die EFSA für Supplements eine Obergrenze von 250 mg pro Tag.

Begriffe

Kofaktor
Ein Helferstoff, den ein Enzym braucht, um zu arbeiten.
Elementares Magnesium
Der reine Magnesiumanteil einer Verbindung. Nur diese Menge zählt, nicht das Gewicht des ganzen Salzes.
Bioverfügbarkeit
Der Anteil eines Stoffes, der tatsächlich aus dem Darm ins Blut gelangt.

Orientierung, keine medizinische Beratung.