Melatonin

Körpereigenes Hormon, steuert den Tag-Nacht-Rhythmus

Stellt nach Langstreckenflügen die innere Uhr, betäubt dich aber nicht. Bei normalem Wachliegen bringt es im Schnitt sieben Minuten.

Studiendosis
0,5–5 mg
Am besten belegt
Jetlag, verschobener Rhythmus
Wichtiger als die Dosis
Der Zeitpunkt
EU-Status
Uneinheitlich, in Deutschland umstritten

Kapitel 1:Wirkung & Studienlage

Kapitel 2:Was passiert im Körper?

Melatonin ist ein Hormon aus der Zirbeldrüse im Gehirn. Sie schüttet es aus, wenn es dunkel wird, und signalisiert dem Körper damit: Es ist Nacht. Melatonin ist ein Taktgeber für die innere Uhr, kein Schlafmittel.

  1. 01

    Licht bremst, Dunkelheit startet

    Spezielle Zellen im Auge melden Licht an die innere Uhr im Gehirn. Solange es hell ist, bleibt die Melatonin-Ausschüttung gedrosselt.

  2. 02

    Nachtsignal im Blut

    Am Abend steigt der Spiegel, gegen Mitte der Nacht erreicht er seinen Gipfel. Am Morgen fällt er wieder ab.

  3. 03

    Die Uhr verstellen

    Melatonin am frühen Abend stellt die innere Uhr vor, am Morgen eher zurück. Deshalb wirkt es bei Jetlag, wenn der Zeitpunkt stimmt.

  4. 04

    Kurz im Blut

    Eingenommenes Melatonin wird schnell abgebaut, die Halbwertszeit liegt unter einer Stunde. Beim Durchschlafen helfen schnell freisetzende Präparate daher kaum.

Kapitel 3:Einnahme & Formen

  • Weniger ist oft genug: 0,5–1 mg reichen in vielen Studien.
  • Bei Jetlag einige Tage lang am Zielort zur dortigen Bettzeit.
  • Keine Dauerlösung ohne ärztliche Begleitung.
  • Danach nicht mehr Auto fahren.

Formen im Vergleich

  • Schnell freisetzend

    Passt zum Verstellen der inneren Uhr, etwa bei Jetlag. Wirkt nur kurz, beim Durchschlafen kaum.

  • Retard (verzögert freisetzend)

    Gibt Melatonin über Stunden ab. Als Arzneimittel für Ältere mit Schlafstörung zugelassen und verschreibungspflichtig.

  • Gummies und Sprays

    Bequem, aber der echte Gehalt weicht bei manchen Produkten deutlich vom Etikett ab.

In Lebensmitteln

QuelleMenge
Lebensmittel wie Kirschen, Nüsse, Tomatennur Spuren, weit unter Supplementdosen

Kapitel 4:Für wen & Risiken

Sinnvoll für

  • Reisende, die mehrere Zeitzonen überfliegen
  • Menschen mit verschobenem Schlafrhythmus, nach ärztlicher Abklärung
  • Ältere Menschen mit Schlafstörung, mit ärztlich verordnetem Retard-Präparat

Eher nicht für

  • Wer ein starkes Schlafmittel sucht: Melatonin verkürzt die Einschlafzeit nur um wenige Minuten
  • Schwangere, Stillende und Frauen mit Kinderwunsch
  • Kinder und Jugendliche ohne ärztliche Rücksprache
  • Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder Epilepsie ohne ärztliche Rücksprache
  • Kann Benommenheit am Morgen, Kopfschmerzen und lebhafte Träume machen.
  • Das BfR rät Kindern, Jugendlichen, Schwangeren, Stillenden, Frauen mit Kinderwunsch sowie Menschen mit Leber- oder Nierenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder Epilepsie von der Einnahme ohne ärztliche Kontrolle ab.
  • Wechselwirkungen mit Blutverdünnern, Beruhigungs- und Blutdruckmitteln sind möglich. Das Antidepressivum Fluvoxamin erhöht den Melatoninspiegel stark.
  • Der echte Gehalt weicht bei manchen Produkten deutlich vom Etikett ab.
  • Beruhigungs- und Schlafmittel sowie Alkohol: Die Müdigkeit kann sich deutlich verstärken.
  • Das Antidepressivum Fluvoxamin hemmt den Abbau von Melatonin stark und erhöht seinen Spiegel.
  • Blutverdünner und Blutdruckmittel: Wechselwirkungen sind möglich, vorher ärztlich abklären.
Rechtsstatus EU: Arzneimittel mit Melatonin sind in Deutschland verschreibungspflichtig, Bundesbehörden stufen Melatonin seit Langem unabhängig von der Dosis als Arzneistoff ein. Trotzdem sind niedrig dosierte Nahrungsergänzungsmittel im Handel, Gerichte haben einzelne solcher Produkte als Lebensmittel eingestuft. Die Einordnung ist umstritten und in der EU nicht einheitlich. Zugelassene EU-Aussagen gibt es zu Jetlag (ab 0,5 mg) und kürzerer Einschlafzeit (1 mg kurz vor dem Schlafengehen).

Kapitel 5:Mythen & Begriffe

  • MythosMelatonin ist ein Schlafmittel.

    FaktMelatonin sagt dem Körper, wann Nacht ist. Es betäubt nicht und erzwingt keinen Schlaf.

  • MythosMehr Melatonin, besserer Schlaf.

    Fakt0,5–1 mg reichen in vielen Studien. Höhere Dosen machen eher Benommenheit am nächsten Morgen.

  • MythosMelatonin ist völlig harmlos, auch auf Dauer.

    FaktKurzfristig gilt es als gut verträglich. Langzeitdaten sind dünn, deshalb keine Dauerlösung ohne ärztliche Begleitung.

Begriffe

Zirbeldrüse
Kleine Drüse im Gehirn, die nachts Melatonin bildet. Fachwort: Epiphyse.
Innere Uhr
Ein Nervenzellkern im Gehirn, der den Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers taktet.
Phasenverschiebung
Das Vor- oder Zurückstellen der inneren Uhr, etwa nach einem Flug.
Retard
Darreichungsform, die einen Wirkstoff langsam über Stunden freisetzt.

Orientierung, keine medizinische Beratung.